Das war 2018

Das war er in Zahlen, der erste Hamburger Preacherslam: 8 Slammer*innen, 1 Musiker, 1 Moderator, 1 Comedian, 12 Menschen im Vorbereitungsteam aus 8 christlichen Kirchen/Organisationen, 180 Zuschauer*innen im vollbesetzten Saal des Haus 73, 140 Minuten Programm.

Es war ein intensiver Abend mit vielen Emotionen, viel Beifall und einer guten Stimmung. Wer gewonnen hat (Jonas Goebel), war dann irgendwie doch zweitrangig. Die Slammer*innen brachten sehr unterschiedliche Texte und damit auch sich selbst auf die Bühne. Unter dem Titel "Yes, I believe" fielen Ihnen viele unterschiedliche Dinge ein, teils witzig, teils bewegend, immer sehr persönlich. Und so war es für alle Anwesenden ein gelungener Abend. Die anwesenden Medien (Hamburger Abendblatt, Neue Kirchenzeitung, Spiegel Online, Bibel TV, Deutschlandfunk) zeigten sich interessiert und fragten, inwieweit dies eine neue Art von Kirche sei oder werden könne.

Eine Auswahl der Auftritte haben wir hier für dich zusammengestellt.

Gott? Ich habe mich von Dir abgewandt – für mich gelebt, die letzten Tage, Wochen, Monate.
Und die Gedanken in meinem Kopf, kreisen, kreisen, kreisen um mich selbst und ich weiß nicht, wie ich aus diesem Gedankengefängnis je wieder ausbrechen kann.
Meine Fragen sind zu hoch, diese Phrasen zu groß – warum kann ich nicht mehr glauben? Warum geht es nicht mehr weiter? Warum kann es denn nicht einfach wieder einfach sein?
Ich weiß doch, dass es eigentlich um Dich geht, darum bei Dir zu bleiben. Und doch schaut es so anders aus, was wir aus Glauben machten. Dieses Kreuz – Anlaufpunkt in allen Angriffsphasen, allen Fragen, allem Klagen. Doch jetzt kommt das Aber -
Denn stattdessen lasse ich mich abdriften in diesem Ozean meiner Gedanken, die nur um mich und diese Welt kreisen – hab längst die seichten Gewässer verlassen. Die Wellen um mich rum haben meine Flamme, die einst so sehr für Dich brannte, fast erstickt. Und jetzt steh ich hier auf dieser Bühne und frage mich: Do i believe? Glaube ich an Dich? Glaube ich Dir? Ich hoffe es, ich will es, mein Herz drängt mich. Doch scheint alles mich von Dir abzulenken – vor allem ich selbst: ein Klick auf YouTube und BAM schon vergeht die Zeit.

Ich sehe mich eher weniger als Schaf. Sagt ein guter Freund von mir. Ich stimme ihm da durchaus zu. Ich sehe ihn auch nicht so sehr als Schaf. Außer wenn er seine Winterjacke mit dem Fell in der Kapuze trägt. Früher dachte ich ja, das würden nur Assis tragen. Bis er damit ankam. Naja. Muss er ja wissen.
Wie dem auch sei. Wir sind uns einig. Nein, wir wollen keine Schafe sein. Und nein, wir wollen auch nicht als Schafe bezeichnet werden. Warum? Weil wir keine Schafe sind, man.
Deutsch LK. Wir können Logik. Und Argumentieren und so.
Warum also Schafe?
Schafe. Wer will denn schon als Schaf bezeichnet werden?
Schafe sind Herdentiere. Wir hassen die Massen. Als ob wir zu H&M gehen würden.
Schafe stehen eigentlich nur dumm rum. Wir wollen mehr vom Leben. Wer gibt sich schon mit so wenig zufrieden? Yolo und so.
Schafe glotzen in der Gegend rum. Wir posten auf Instagram Bilder von glotzenden Schafen. #sheepyourlife
Schafe können mää. Wir haben bilingual studiert, Bitch.
Schafe essen vegan.

Ich glaube an Gott, den Vater den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde...
Warte was? Dein ernst? Das ist doch Quatsch (ist dann die Reaktion), es gibt die Evolution und auch die Chemie, Biologie, unendlich viele Theorien und du glaubst daran, dass es jemanden gab, der sich die Erde nahm und sie erschuf im Nu?
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn unsern Herrn. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria..
Wie bitte was? Was soll denn das schon wieder? Wie soll eine Jungfrau schwanger geworden sein, mit was, ne‘m Heiligenschein, oder was soll das sein, ein Heiliger Geist?
Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes...Am dritten Tage auferstanden von den Toten,
Oh mein Gott, was laberst du nur für ein‘ Schrott? Das müsste verboten sein, was du hier von dir gibst, was soll Jesus sein, jetzt mal ganz allgemein, glaubst du echt daran, dass man auferstehen kann, obwohl man schon im Reich der Toten stand? Dass Jesus ein Zombie ist und sich durch das Grab frisst:“oh hey, ich bin ja Christ,“ dass er vergisst, dass er tot ist??

Jelena Döbel ist Künstlerin und werdende Theologin, und wohnt in Hannover. Als Künstler-Duo „Jelena Herder“ ist Jelena mit Timon gemeinsam unterwegs: Die beiden gestalten ein Programm aus Musik und Poesie, und teilen dabei mit ihren Zuhörern Schnappschüsse aus dem Leben, Scherben und Schönheit, Schweres und Leichtes, Herzensfeste und das große trotzige Trotzdem, mit dem sie das Leben lieben. Einen Eindruck davon bekommt man hier: jelenaherder.de.

Ich- ich soll euch also was erzählen
über Gott und die Welt, über irgendwelche Themen,
vielleicht über Politik,
dabei geh ich nicht mal wählen.
Und das nicht, weil ich mich nicht interessier, oder keine Ahnung hab
sondern weil ich den Überblick verlier und mich nicht entscheiden kann
zwischen rechts und links und links und rechts
zwischen politischem Gelabber und echtem Klartext!

Letztens musste ich mich beim Kirchengemeinderat vorstellen. „Hallo, ich bin Lukas, der neue Vikar.“ So weit, so einfach. Bei den meisten Leuten ist das ja eine lockere Geschichte – netter Anlass, freundliches Gespräch, schönes Kennenlernen. Aber bei mir nicht. Ich hatte ein Geheimnis zu hüten. Fast wärs mir rausgerutscht. Aber man kann ja nicht einfach da zum Kirchengemeinderat kommen und sagen: „Ich muss euch etwas gestehen. Ich will eigentlich gar nicht so gerne Pastor werden. Eigentlich wollte ich immer was ganz Anderes. Naja, nun ist es so. Machen wir das Beste draus.“ Das kommt ja nicht so gut. Aber verschweigen und flunkern geht natürlich auch nicht. Also hab ich’s gleich zugegeben:
„Ja, es stimmt: Ich wollte mal etwas ganz Anderes werden. Etwas, von dem kaum jemand weiß, dass es das überhaupt gibt. Und ich meine nicht bloß sowas schwer vorstellbares wie Biersommelier, Restauranttesterqualitätsmanagementsupervisor oder Innovationsbeauftragter der Nordkirche. Nein, ich meine einen Job, der unter strengster Geheimhaltung stehen muss, weil die ganze Glaubwürdigkeit einer deutschen Institution mit ihm steht und fällt.“

Da wo der Himmel das Meer küsst

Ich glaube an die Liebe, nicht nur in Filmen.
Ich glaube daran, dass sie unendlich sein kann.

Liebe lässt mich an Wunder glauben, sie ist der Funke in deinen Augen.
Ich weiß, sie kann mich fangen - hört jemand auf mich zu lieben, fängt jemand neues damit an und wenn ich mal nicht weiter weiß, nicht mehr kann, schaut sie mich an und sagt: „das schaffen wir zusamm’“.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, denn das was du liebst, ist das was dich hält.
Doch Liebe auch dich, so wie du bist, mit dem was du isst.
Liebe dich so wie niemand anderen, denn dann kannst du Liebe geben, für andere.