Das war 2018

Das war er in Zahlen, der erste Hamburger Preacherslam: 8 Slammer*innen, 1 Musiker, 1 Moderator, 1 Comedian, 12 Menschen im Vorbereitungsteam aus 8 christlichen Kirchen/Organisationen, 180 Zuschauer*innen im vollbesetzten Saal des Haus 73, 140 Minuten Programm.

Es war ein intensiver Abend mit vielen Emotionen, viel Beifall und einer guten Stimmung. Wer gewonnen hat (Jonas Goebel), war dann irgendwie doch zweitrangig. Die Slammer*innen brachten sehr unterschiedliche Texte und damit auch sich selbst auf die Bühne. Unter dem Titel "Yes, I believe" fielen Ihnen viele unterschiedliche Dinge ein, teils witzig, teils bewegend, immer sehr persönlich. Und so war es für alle Anwesenden ein gelungener Abend. Die anwesenden Medien (Hamburger Abendblatt, Neue Kirchenzeitung, Spiegel Online, Bibel TV, Deutschlandfunk) zeigten sich interessiert und fragten, inwieweit dies eine neue Art von Kirche sei oder werden könne.

Eine Auswahl der Auftritte haben wir hier für dich zusammengestellt.

Monika

Monika Panzer, 24 Jahre alt, Studentin aus Kiel; der Text war ihr erster Slam-Text von vor 4einhalb Jahren Mail: monika.panzer@student.fh-kiel.de Monika Panzer, 24 Jahre alt, Studentin aus Kiel; der Text war ihr erster Slam-Text von vor 4einhalb Jahren Mail: monika.panzer@student.fh-kiel.de

Ich- ich soll euch also was erzählen
über Gott und die Welt, über irgendwelche Themen,
vielleicht über Politik,
dabei geh ich nicht mal wählen.
Und das nicht, weil ich mich nicht interessier, oder keine Ahnung hab
sondern weil ich den Überblick verlier und mich nicht entscheiden kann
zwischen rechts und links und links und rechts
zwischen politischem Gelabber und echtem Klartext!

 

Aber ausgerechnet ich soll euch was erzählen?
Ich könnte die Kirche kritisiern, den Zöllibat anprangern
oder die Art und Weise, wie man die Messe zelebriert,
dabei weiß ich nicht mal selber, in welche Richtung ich tendier,
ob ich konservativ bin oder zu den Liberalen gehör.

Hm, ich könnte was über den Klimawandel erzählen,
das Eis schmilzt, die Bären sterben,
die Folgen sind extrem!
Dabei bin ich mir nicht mal sicher,
ob er wirklich existiert,
weil ich bis heute nicht kapier,
warum mir im Winter immer noch die Zehen einfriern

Aber ausgerechnet ich soll euch was erzählen?
Dann sag ich halt was über die Stellung der Frau
und darüber, dass man als guter Bürger eigentlich nicht die Fußball-WM schaut
und darüber, wie die Medien uns manipuliern,
und über die Illuminaten, wie sie die Welt regiern!

...doch all das wäre nicht ECHT, wäre nicht authentisch,
weil ich mir selber nicht sicher bin, nicht hundertprozentig,
ob das alles stimmt-
und ich fühl mich oft selbst wie in einem Labyrinth
ich fühl mich wie in ‚nem Prozeß
wie ein Gefängnisinsasse,
fühl mich oft so kafkaesk,
wenn ich denk ich komm raus, ich komm an,
kommt die nächste Sackgasse.

Aber ausgerechnet Ich soll euch was erzählen?
Das ist irgendwie nicht fair,
denn es ist nichts Ganzes und nichts Halbes,
alles nur so ungefähr
nichts Halbes und nichts Ganzes
wie irgendwas dazwischen,
wie zwischen den Stühlen,
ein ziemlich beschissenes Gefühl

Wie soll ich mich entscheiden? Ich hab Angst das Falsche zu tun
solang ich nicht die einzig wahre Religion,
die einzig richtige Verschwörungstheorie,
und die einzig wirkliche Ideologie finde, kann ich nicht ruhn
Vorher kann ich nicht wählen gehen-
denn ich bin ein Widerspruch in sich,
denn Ich fühl mich wie ein, wie ein...
...anarchistischer Polizist,
wie ein gottliebender Atheist,
wie ein Pazifist, der Ja sagt zum Krieg,
wie ein homophober, der die Gay Parade liebt.
Ich bin wie ein Analphabet der gerne liest.
Ich fühl mich wie ein immer positiv denkender Pessimist,
wie ein Emo, der sich nicht ritzt.

Ich bin wie ‚n Fass ohne Boden,
wie ‚n Junkie ohne Drogen,
hab längst die Fassung verloren.

Und unter Atheisten fühl ich mich wie der größte Christ,
doch sprech ich mit Christen, bin ich plötzlich Atheist!
egal, wo ich bin, ich fühl mich ständig isoliert,
mein Lebensstatus? Auf ewig verwirrt!
...obwohl, das stimmt nicht ganz,
ich hab kein Motto, kein Lebenskonzept,
doch ich würd mich wahrscheinlich eh nicht dran halten, selbst wenn ich eins hätt,
denn ich bin wie einer der im Fernsehen ne Lieblingsserie hat
und trotzdem ständig weiterzappt,
also was soll ich euch erzählen? Ich hab für die Wahrheit kein Rezept
...

 

Aber vielleicht...
Vielleicht ist ja nicht alles Schwarz Weiß,
vielleicht ist es nicht SO oder SO um jeden Preis,
warum muss man sich in Schubladen stecken? Ich will n ganzes Regal!
Hab doch so viele Kanten und Ecken, so viele Ecken und Kanten,
wie auch immer das heißt,
und vielleicht seh ich jung aus, doch bin im Kopf ein Greis
und vielleicht bin ich Vegetarier doch ess gerne Fleisch
ich weiß, das ist paradox, doch das nehm ich in Kauf
vielleicht bin ich ein Marathonläufer obwohl ich nicht gerne lauf
und vielleicht gibt es nicht den einen Weg, vielleicht ist es wie auf der Autobahn
du kannst die Ausfahrt nehm oder weiterfahrn
und trotzdem kommst du irgendwo an
fahr nur nicht gegen den Baum! Sei wach und aufmerksam

und vielleicht ist mein Lebenselement noch das Labyrinth,
doch vielleicht finde ich grade in der Sackgasse den Sinn
denn vielleicht konzentrier ich mich zu oft aufs Finden,
als darauf dass ich such
und vielleicht sag ich zu selten „so wies ist, so ists gut“

&ausgerechnet Ich hab euch das jetzt erzählt,
und vielleicht wenn ihr das hört,
geht ihr wieder wählen
doch ich mein nicht irgend‘ne Partei
sondern euren eigenen Weg!

Medien